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Textiles und Textliches

Die Möglichkeit, sich aktiv mit dem Thema “Mode”, “Kleidung” oder “Textil” auseinanderzusetzen, war groß unter den Teilnehmern der Tagung. Die angebotenen Aktionen wurden mehr als gut angenommen und so fand sich auch eine hochmotivierte Gruppe zu einer Schreibwerkstatt zusammen, die von Susanne Kieselstein angeleitet wurde. In der äußerst passenden Location der Museumsbibliothek im Rautenstrauch-Joest-Museum wurden Texte nach unterschiedlichen Schreibrezepten angefertigt, die Susanne Kieselstein professionell anleitete.

Es zeigte sich, dass diese reflektierende Perspektive das bisher auf der Tagung aufgenommene Wissen sehr bereicherte. So konnte man die Fülle der Eindrücke sortieren, noch einmal persönliche Gedanken und Assoziationen hervorholen und in die Texte einfließen lassen.

Wir haben hier die Ergebnisse in einer Zusammenfassung als Ergebnis des Workshops zum Download eingestellt.

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Structures of the World – Finale

Von Walter Bruno Brix

Das Projekt “structure of the world” geht gut voran. Am Mittwoch habe ich die Damen besucht und es herrschte gute Stimmung, alle waren fleißig. Da wurde an mit verschiedenen Techniken und unterschiedlichen Materialien gearbeitet. Ein Puppe, die ein stilisiertes Selbstportrait wird, bekommt ein Mütze.Sie hat echte Haare und einen Pony. Aus dem Metall von Getränkedosen wird ein Stein genäht. Aus gefärbten Filz entsteht ein Bund Spargel. Ein Globus aus Pappe wird mit Blüten, Federn und Schmetterlingen verziert. Aus schwarzem Stoff entsteht eine Schere, aus Schnittmusterbögen ein Schiff. Ein modellierter Schädel wird mit Gaze überzogen. Eine Schädelmaske entsteht aus weißem Filz, aus schwarzem ein eleganter Hut. Auf der Nähmaschnie wird ein Flügel genäht und eine durchswichtige Laterne. Blumenstoff werden zu einem Vogelnest mit Eiern. Blätter, Zweige und Satin bilden eine Schaukel. Aus schwarzem Plastik wird ein Stößel (für einen Mörser) genäht.


Bei der Präsentation wird man sehen können, welche Gemälde aus der Sammlung des Museums Wallraf-Richartz/Foundation Corboud die Inspiration waren. Sehr spannend zu sehen, was auf Gemälden alles zu entdecken ist. Ebenso, wie die Entscheidung, was davon man dann ausführt. Die entstehenden Objekte sind keine eins zu eins Kopien der Dinge auf den Bildern, sie stehen für eine Vorstellung, die man sich macht, wenn man das Gemälde betrachtet.

 

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Festtagskleidung – aus einem fernen Land

Von Karin Rottmann

Eine Gruppe junger Frauen mit afrikanischem Migrationshintergrund, die sich über die Caritas-Integrationsagentur gefunden haben, sind gerade dabei, ihren Beitrag zur Tagung vorzubereiten. Sie werden ein Intermezzo als Bühnenprogramm zwischen den Vortragsblöcken zeigen und typische Festtagskleidung aus ihren Herkunftskulturen vorstellen.

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Zur Einstimmung traf sich die Gruppe, die von Rosi Loos betreut wird, mit mir in der Ausstellung „Made in Oceania“, die im Rautenstrauch-Joest-Museum noch bis zum 27.4.2014 zu sehen sein wird. Dort kann man Tapa sehen, ein textiles Material aus Rindenbast, das mit Mustern und Ornamenten bemalt und typisch für den ozeanischen Kulturraum ist. Dort haben die Stoffe ganz unterschiedliche Funktionen im Bereich des Wohnens und der Bekleidung. Ein Beispiel eines Rindenbaststoffes aus Papua (dort nennt man die Rindenbaststoffe maro) hat uns sehr beeindruckt. Neben dem Textil mit sehr schönem Doppelspiralmotiv, das heute dem Museum der Kulturen in Basel gehört, ist ein Foto zu sehen, das Paul Wirz 1926 aufgenommen hat. Man sieht die maro als Schmuck der Grabstätte. Die Trägerin des Gewandes hatte es zur Hochzeit geschenkt bekommen und, wie üblich in dieser Kultur, ihr Leben lang begleitet. „Das ist eine schöne Idee!“ „Das ist dann sehr persönlich!“ und „Das berührt mich!“ äußerten die Teilnehmerinnen.

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Ganz begeistert waren die jungen Frauen von der modernen Tapa-Mode, die in der Ausstellung auch zu sehen ist. Die heute in London lebende Designerin Rosanna Raymond hat samoanische Wurzeln und wurde in Neuseeland geboren. Sie greift in ihrer „RePATCHtration – Customised Levi’s“ westliche Modeelemente auf und kombiniert sie mit einem pazifischen Look. Darin sieht sie einen Ausdruck kultureller Identität, der Tradition und Moderne verbindet. Die Projektgruppe fand diesen Denkansatz sehr interessant und hat sich von Rosanna Raymond anregen lassen. Den Museumsbesuch ließen  wir in einer Werkstatt des Museums mit der Arbeit an Modeskizzen ausklingen.

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In den Wochen bis zur Tagung werden sich die Damen mit der Präsentation ihrer Festtagskleidung beschäftigen. Wir können gespannt sein, mit welchen Kreationen sie die Tagungsgäste überraschen werden.

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Kölsche Tapa und aufregende Schmuckkreationen im Programmbereich „offene Ganztagsschulen“

Karin Rottmann

Dank der Förderung durch die Sal. Oppenheim-Stiftung kann der Museumsdienst kostenfreie Ferienprogramme für offene Ganztagsschulen anbieten. Über das geförderte Programm sollen vor allen Dingen Kinder angesprochen werden, die wenige Möglichkeiten haben, Museen kennenzulernen. Deshalb hat sich der Museumsdienst Köln an das Schulamt gewendet, um das Kontingent von Workshops adäquat verteilen zu können. Um das Programm bekannt zu machen, fand zunächst in den Seminarräumen des  Schulamtes eine erste Fortbildungsveranstaltung zum Programm statt. Natürlich stehen das Jahresthema “Museum Textil” und die Tagung für die angebotenen Konzepte Pate.

„Kölsche Tapa“ ist eines der Programme, die die eingeladenen Pädagoginnen im Schulamt kennenlernten. Das Thema bezieht sich auf die im Rautenstrauch-Joest-Museum Kulturen der Welt vom 12.10.13 – 27.04.14 gezeigten Ausstellung: “Made in Oceania –  Tapa-Kunst und Lebenswelten“. Ausgangsidee zum Ferienworkshop sind die abstrahierten, manchmal aus der Natur entlehnten Muster auf den aus Baumrinde hergestellten Stoffen aus Oceanien. Man kann dort zum Beispiel Vogelmotive entdecken, Wellenmuster, Fische, aber auch geometrische Elemente und interessante Ordnungssysteme, wie Reihungen, Parallelen und  Symmetrie. Die Musterwelt der Südsee  als Idee eines Zeichensystems soll nun auf eine Kölner Situation übertragen werden: es sollen „kölsche Tapa“ entstehen.

Wir suchten zunächst bekannte Motive aus Köln, die Domspitzen, die Kranhäuser vom Rheinauhafen, die Wellen des Rheins, die Brücken, die Stadtsilhouette, der Fußball, die Tränen der Jungfrauen aus dem Stadtwappen, die Narrenkappe, die Heinzelmännchen, die Kronen der Heiligen 3 Könige…. Die Ideen waren dann schnell als Musterrapport auf Papier gesetzt und es gab direkt Interessenten für die Buchung!!! Ein Feedback gab es bereits. Die Kinder aus bestimmten Stadtteilen kennen ihren Heimatort gar nicht, so seien viele noch nie im Kölner Dom gewesen und würden all die vielen „Kölnmotive“ gar nicht kennen. Wir werden nicht so streng sein, denn es ist natürlich auch möglich, ein ganz persönliches „Tapa-Muster“ zum eigenen Lebensraum, z.B. der Schule  zu entwickeln.

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„Aufregende Schmuckkreationen“ heißt ein 2. Programm, das der Museumsdienst Köln für das oGTS-Herbstferienprogramm im Angebot hat.  Die Ausstellung „Boys get skulls, girls get butterflies“ die vom 21.September bis 15.Dezember 2013 im Museum für Angewandte Kunst gezeigt wird,  geht der Frage nach der Objektsprache von Schmuck nach. Spektakuläre Stücke des international renommierten Goldschmiedekünstlers Georg Hornemann werden mit Schmuckkunst aus der eigenen Sammlung konfrontiert. In den Workshops entwerfen die Kinder mit den dazu zur Verfügung gestellten Materialien, wie Aluminiumfolie, Draht, Holzringen und vielen verschiedenen Dekorationselementen eigene Schmuckobjekte. Da die Fortbildung nur von Pädagoginnen besucht wurde, war es nicht verwunderlich, dass das Angebot bereits noch am selben Tag der Fortbildung ausgebucht war.

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Magie der Stoffe

Ein Bericht von Karin Rottmann

Ein halbes Jahr lang haben sich die Kunst-AG der Pestalozzi-Förderschule mit unserer Mitarbeiterin Cristine Schell im Rautenstrauch-Joest-Museum mit textilen Techniken beschäftigt. Bei ihren Experimenten mit Batik
und Stoffmalerei erlebten die Schülerinnen und Schüler so manche Überraschung. Im Kontext der im Museum ausgestellten Objekte lernten die Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren viel über die Bedeutung und Hintergründe der Textilien. Beispielsweise waren einige Muster und Ornamente nur für Könige oder bestimmte Anlässe vorgesehen, und die Menschen glauben zum Teil heute noch daran, dass die besonderen Zeichen und Symbole „magische“ Bedeutung haben.

Die Schülergruppe machte mit den eigenen Versuchen die Erfahrung, dass durch die vielen zeitaufwendigen Verfahren für die Dekoration der Stoffe eine besondere Wertschätzung zum Ausdruck kommt. In den Workshops versahen sie Geschenkkarten, T-Shirts und Tücher in Reservierungs- und Abbindetechnik mit Dekors. Für die Präsentation richteten die Schülerinnen und Schüler wie die Museumsprofis eine Vitrine ein.

Die Schulpartnerschaft der Pestalozzi-Förderschule mit dem Museumsdienst Köln besteht schon seit mehr als 15 Jahren. Die Workshops sollen die Schülerinnen und Schüler mit den Museen vertraut machen und sie befähigen, sich aktiv mit ihren Arbeitsergebnissen am kulturellen Leben zu beteiligen. Die PWC Stiftung Jugend Bildung Kultur hat das Projekt finanziert. Die Schülerinnen und Schüler der Pestalozzischule werden ihr Projekt auch bei der Tagung  vorstellen.

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Wir beginnen heute eine Serie von kleinen Impulsen, die auf die partizipativen Elemente der Tagung hinweisen sollen. Sie sollen Appetit machen auf die Begegnungen der besonderen Art und wir freuen uns sehr über Kommentare dazu.

Den Anfang macht Karin Rottmann mit Modesprücheklopfer: Pink Python …

Titel und Slogans aus Modemagazinen sind wahre Fundgruben für unbeschreibliche Worterfindungen. Im Kontext mit Methoden rund um das kreative Schreiben in Museen haben wir angefangen, Schlagzeilen und sonstige Wortfindungen zum Modethema zu sammeln. Ein paar Kostproben sind auf den Abbildungen zu lesen. Wir möchten Sie nun auf einen Workshop neugierig machen, mit dem wir das Rahmenprogramm der Tagung gestalten werden. Unsere Mitarbeiterin Gudrun Grauenson hat sich der Aufgabe angenommen und im Kontext mit unseren Museen Text-Bild-Bezüge entwickelt. Texte finden sich ja immer wieder auf Objekten der Kunst und angewandten Kunst. So erinnern wir an die zeitgenössischen Arbeiten von Cosima von Bonin, die auf Stoffe Texte nähen lässt. Viele Künsterinnen und Künstler aus der modernen und zeitgenössischen Kunst haben eine ganze Reihe von Strategien entwickelt, mit Sprache und Text zu arbeiten. Auch in der angewandten Kunst und auf alltäglichen Dingen finden sich immer wieder Wörter. T-Shirts mit Aufdrucken werden gar zum Sammlerobjekt, die zum Teil mit witzigen Wortschöpfungen zum Schmunzeln Anlass bieten. In der Stadtgeschichte gibt es im Zusammenhang mit Textilien wunderbare Kuriositäten. Und auch in fremden Kulturen gibt es erstaunliche Fundstücke zum Thema

Natürlich werden wir jetzt nicht verraten, durch welche witzige Aufgabenstellung die Sprüche im Workshop zur Tagung ironisiert werden sollen.

Haben Sie Lust, unser Modesprüche-Scout zu werden und uns umwerfende Wörter, Slogans und Überschriften aus Modemagazinen für den Workshop zu schicken?

Für die, die es bis dahin nicht aushalten, mit den Wörtern und Minitexten (im Museum) zu arbeiten, sei eine kleine Aufgabe gestellt: Wo finden sich „pinke Pythons“ – im Museum, in der Architektur, im Badezimmer, im urbanen Kontext, in Landschaften, auf dem Weg zur Arbeit…?

Natürlich können Sie jeden Tag mit eigenen „Sprüche-Fundstücken“ auf die Suche nach Visualisierungen gehen!

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Was bisher geschah

Karin Rottmann hat ja bereits in ihrem Interview darauf hingewiesen, dass der Impuls für die Tagung “fashio@society” aus dem Jahresthema “Museum textil” erwachsen ist. Heute möchten wir die Projekte vorstellen, die in diesem Zusammenhang an den Kölner Museen bereits gelaufen sind. Viele von ihnen werden ja im Rahmenprogramm der Tagung noch eingehender zur Diskussion gestellt. Hier können Sie sich bereits einlesen.

Genau unsere Kragenweite

Besonders gewinnbringend war in mehreren Projekten die Zusammenarbeit mit dem Berufskolleg Humboldstraße. Dort werden angehende Textiltechniker unterrichtet. Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern konnten bereits wunderbare Umsetzungen von Museums-Objekten entwickelt werden.

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So setzte sich eine Klasse mit den Kragen auf den Bildern im Wallraf-Richartz-Museum auseinander und entwickelte kreative Umsetzungen.

Im Museum Ludwig entstanden Kostüme, die den Bildern der klassischen Moderne entsprungen schienen. Das Projekt war noch mit dem Impuls des Jahresthemas “Blau” entstanden. Wir waren extrem begeistert von den aufwendigen Kostümen. Der Fotograf Maurice Cox hat sie perfekt in Szene gesetzt – wie hier eine Arbeit, die von Zeichnungen der Künstlerin Louise Bourgeois inspiriert wurde.

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Kleider zeigen Gefühl

Die Art und Weise, wie sich durch Kleidung Gemütszustände transportieren lassen, beschäftigte die Teilnehmerinnen eines besonderen Workshops. Hier wurde vor dem Hintergrund der Ausstellung “Seide statt Sünde” darüber diskutiert, auf welche Weise hier Emotionen transportiert werden können. Mit kleinen Modellen und Stoffen wurden mögliche Gewänder mit Ausdruck kreiiert.

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In dem Projekt “Madonnen zwischen Eva und Maria” wurde das Thema Mode aus verschiedenen Perspektiven diskutiert. Ob die gezierte Haltung von Kirchners “Fünf Frauen auf der Straße” besprochen wurde, die Darstellung so mancher Diva in der Pop Art oder gar die Schleier der mittelalterlichen Madonnen – immer war klar, dass sich über die Kleidung auch das Rollenverständnis mitteilt. Und so führte dann auch die Selbstdarstellung der Teilnehmerinnen am Ende dieses Projektes zu einer gezielten Inszenierung im kleinen Roten oder mit lässigen Turnschuhen und Jeans.

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Auf welch vielfältige Art man mit dem Modethema auch niederschwellige Angebote für die verschiedensten Zielgruppen entwickeln kann, zeigt der Workshop “Sommerkollektion für Nana“, in welchem Grundschüler Kleidungsentwürfe für die üppige Figur von Niki de St. Phalle entworfen haben.

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