Schnabelschuhballett

Das Video zeigt einen mittelalterlichen Schreittanz, der mit dem Choreographen Rick Kam eingeübt wurde. Das Berufskolleg Humboldstraße hat phantasievolle Hörnerhauben gestaltet, Surkots genäht und die Schnabelschuhe entworfen. Das von Karin Rottmann initiierte Projekt wurde von Dennis Hartmann und der Movie Crew Cologne dokumentiert. Das Schnabelschuh-Ballett wird auch den Auftakt zur Tagung bilden. Hier also schon mal ein kleiner Vorgeschmack!


Mit Hörnerhaube und Schnabelschuh – MyVideo

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Structures of the World – Update

Von Walter B. Brix

Das Projekt des Humbold Berufskollegs schreitet voran.

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Drei Schädel sind im Entstehen, einer aus Filz, einer aus Seidenorganza und einer aus Modeliermasse. Auf den Fotos hier sieht man den aus Filz, der an eine Maske erinnert und als solche getragen werden kann. Eine erstaunliche Verwandlung. Mich erinnert es an die silberne Maske eines bestimmten deutschen Rappers. Allerdings hat der weiße Filz eine ganz andere Anmutung, das Material ist weich und schmiegsam, deutlich man sieht die Nähte.

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Ein Globus wird aus Pappe genäht, der später mit den Ländern der Welt ausgestattet werden soll. Aus welchem Material ist noch die Frage. Im Raum stehen applizierter Stoff, aufgeklebte Gewürze aus den Ländern und andere Ideen. Eine Schaukel aus Ästen und Blättern, nach dem Bild einer Schaukel im Wald. Also hier wird der Wald zur Schaukel. Das Modell eines Hutes, ebenfalls aus Filz, allerdings aus braunem. Hier nimmt die Krempe gerade Form an.

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Auf einem Bild sieht man eine Laterne von oben in einen Raum hängen. Ein Model der Laterne aus Papier gibt es schon. Nun wird aus verschiedenen Stoffen eine größere Laterne genäht.

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Der Schädel aus Modelliermasse ist noch klein, es ist der erste Versuch, der aber schon ganz ordentlich ist. Vieles was entsteht, führt auf einen Weg und zu neuen Erkenntnissen. Die Vorzeichnung ist schon sehr gelungen.
Die Herzen werden von einem Stab hängen und verschiedene Charaktere darstellen. Dazu sind sie aus unterschiedlichen Stoffen gearbeitet und mit Knöpfen, Pailletten, Spitze und Ähnlichem verziert.

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Besonders witzig ist die Schere aus Stoff. Sie ist sehr aufwendig, weil sie in Original-Größe gearbeitet wird, also winzige Naht-Teile enthält und ein sehr genaues Arbeiten erfordert. Für die Griffe gibt es eine erstaunliche Lösung.

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Das Boot soll überzogen und mit einem Segel aus Landkarten ausgestattet werden. Also das Reisen direkt als Teil des Boots.

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Kölsche Tapa und aufregende Schmuckkreationen im Programmbereich „offene Ganztagsschulen“

Karin Rottmann

Dank der Förderung durch die Sal. Oppenheim-Stiftung kann der Museumsdienst kostenfreie Ferienprogramme für offene Ganztagsschulen anbieten. Über das geförderte Programm sollen vor allen Dingen Kinder angesprochen werden, die wenige Möglichkeiten haben, Museen kennenzulernen. Deshalb hat sich der Museumsdienst Köln an das Schulamt gewendet, um das Kontingent von Workshops adäquat verteilen zu können. Um das Programm bekannt zu machen, fand zunächst in den Seminarräumen des  Schulamtes eine erste Fortbildungsveranstaltung zum Programm statt. Natürlich stehen das Jahresthema “Museum Textil” und die Tagung für die angebotenen Konzepte Pate.

„Kölsche Tapa“ ist eines der Programme, die die eingeladenen Pädagoginnen im Schulamt kennenlernten. Das Thema bezieht sich auf die im Rautenstrauch-Joest-Museum Kulturen der Welt vom 12.10.13 – 27.04.14 gezeigten Ausstellung: “Made in Oceania –  Tapa-Kunst und Lebenswelten“. Ausgangsidee zum Ferienworkshop sind die abstrahierten, manchmal aus der Natur entlehnten Muster auf den aus Baumrinde hergestellten Stoffen aus Oceanien. Man kann dort zum Beispiel Vogelmotive entdecken, Wellenmuster, Fische, aber auch geometrische Elemente und interessante Ordnungssysteme, wie Reihungen, Parallelen und  Symmetrie. Die Musterwelt der Südsee  als Idee eines Zeichensystems soll nun auf eine Kölner Situation übertragen werden: es sollen „kölsche Tapa“ entstehen.

Wir suchten zunächst bekannte Motive aus Köln, die Domspitzen, die Kranhäuser vom Rheinauhafen, die Wellen des Rheins, die Brücken, die Stadtsilhouette, der Fußball, die Tränen der Jungfrauen aus dem Stadtwappen, die Narrenkappe, die Heinzelmännchen, die Kronen der Heiligen 3 Könige…. Die Ideen waren dann schnell als Musterrapport auf Papier gesetzt und es gab direkt Interessenten für die Buchung!!! Ein Feedback gab es bereits. Die Kinder aus bestimmten Stadtteilen kennen ihren Heimatort gar nicht, so seien viele noch nie im Kölner Dom gewesen und würden all die vielen „Kölnmotive“ gar nicht kennen. Wir werden nicht so streng sein, denn es ist natürlich auch möglich, ein ganz persönliches „Tapa-Muster“ zum eigenen Lebensraum, z.B. der Schule  zu entwickeln.

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„Aufregende Schmuckkreationen“ heißt ein 2. Programm, das der Museumsdienst Köln für das oGTS-Herbstferienprogramm im Angebot hat.  Die Ausstellung „Boys get skulls, girls get butterflies“ die vom 21.September bis 15.Dezember 2013 im Museum für Angewandte Kunst gezeigt wird,  geht der Frage nach der Objektsprache von Schmuck nach. Spektakuläre Stücke des international renommierten Goldschmiedekünstlers Georg Hornemann werden mit Schmuckkunst aus der eigenen Sammlung konfrontiert. In den Workshops entwerfen die Kinder mit den dazu zur Verfügung gestellten Materialien, wie Aluminiumfolie, Draht, Holzringen und vielen verschiedenen Dekorationselementen eigene Schmuckobjekte. Da die Fortbildung nur von Pädagoginnen besucht wurde, war es nicht verwunderlich, dass das Angebot bereits noch am selben Tag der Fortbildung ausgebucht war.

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Wir beginnen heute eine Serie von kleinen Impulsen, die auf die partizipativen Elemente der Tagung hinweisen sollen. Sie sollen Appetit machen auf die Begegnungen der besonderen Art und wir freuen uns sehr über Kommentare dazu.

Den Anfang macht Karin Rottmann mit Modesprücheklopfer: Pink Python …

Titel und Slogans aus Modemagazinen sind wahre Fundgruben für unbeschreibliche Worterfindungen. Im Kontext mit Methoden rund um das kreative Schreiben in Museen haben wir angefangen, Schlagzeilen und sonstige Wortfindungen zum Modethema zu sammeln. Ein paar Kostproben sind auf den Abbildungen zu lesen. Wir möchten Sie nun auf einen Workshop neugierig machen, mit dem wir das Rahmenprogramm der Tagung gestalten werden. Unsere Mitarbeiterin Gudrun Grauenson hat sich der Aufgabe angenommen und im Kontext mit unseren Museen Text-Bild-Bezüge entwickelt. Texte finden sich ja immer wieder auf Objekten der Kunst und angewandten Kunst. So erinnern wir an die zeitgenössischen Arbeiten von Cosima von Bonin, die auf Stoffe Texte nähen lässt. Viele Künsterinnen und Künstler aus der modernen und zeitgenössischen Kunst haben eine ganze Reihe von Strategien entwickelt, mit Sprache und Text zu arbeiten. Auch in der angewandten Kunst und auf alltäglichen Dingen finden sich immer wieder Wörter. T-Shirts mit Aufdrucken werden gar zum Sammlerobjekt, die zum Teil mit witzigen Wortschöpfungen zum Schmunzeln Anlass bieten. In der Stadtgeschichte gibt es im Zusammenhang mit Textilien wunderbare Kuriositäten. Und auch in fremden Kulturen gibt es erstaunliche Fundstücke zum Thema

Natürlich werden wir jetzt nicht verraten, durch welche witzige Aufgabenstellung die Sprüche im Workshop zur Tagung ironisiert werden sollen.

Haben Sie Lust, unser Modesprüche-Scout zu werden und uns umwerfende Wörter, Slogans und Überschriften aus Modemagazinen für den Workshop zu schicken?

Für die, die es bis dahin nicht aushalten, mit den Wörtern und Minitexten (im Museum) zu arbeiten, sei eine kleine Aufgabe gestellt: Wo finden sich „pinke Pythons“ – im Museum, in der Architektur, im Badezimmer, im urbanen Kontext, in Landschaften, auf dem Weg zur Arbeit…?

Natürlich können Sie jeden Tag mit eigenen „Sprüche-Fundstücken“ auf die Suche nach Visualisierungen gehen!

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Künstlerprojekt mit Walter Bruno Brix

Ein Bericht von Karin Rottmann

Nun starten bald die letzten Projekte, die zur Tagung präsentiert werden sollen. Mitte September trafen sich Petra Backhaus, Kollegin aus unserer Partnerschule Kollegschule Humboldstraße, mit ihrer Ausbildungsklasse für Bekleidungstechnische Assistentinnen und Walter Bruno Brix in seinem Atelier und setzten sich mit einer Reihe seiner Arbeiten auseinander. Der Textilkünstler und Japanspezialist erzählte den Schülerinnen etwas über die unterschiedlichen Traditionen der Herstellung von Kleidung. Das Schneiderhandwerk europäischer Tradition setzt sich dreidimensional mit Kleidung auseinander und die japanische – wie beim Kimono – zweidimensional. Die Schülerinnen waren begeistert von den vielen Projekten, die vor Ort im Atelier aus Koffern, Kisten und Schränken hervorgezaubert wurden: die „Herzen großer Frauen“ –  z.B. das der Madame Curie, die Taschentücher für die Tränen um die Heilige Ursula, die Jacken mit den Wortcollagen zum ‘Kapital’ und vieles mehr.

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“So, und was wollen wir im gemeinsamen Projekt für eines der Intermezzi zwischen den Vorträgen zur Tagung  umsetzen?”, war die Frage, die Walter Bruno Brix vor dem Besuch im Wallraf-Richartz-Museum mit der Klasse diskutierte. Es soll etwas mit dem Fachunterricht „Textiltechnik“ zu tun haben. Denn dort werden Schnittmuster entwickelt und umgesetzt.  „Es würde naheliegen, Kleider aus Bildern nachzuschneidern“, war die erste Idee der Schülerinnen.  “Oh, das könnt ihr doch mit eurer Fachkompetenz ohne mich”, provozierte der Künstler die jungen Frauen.  “Wie wäre es,  Gegenstände aus Bildern zu wählen, die euch interessieren, die etwas mit eurer Gedankenwelt zu tun haben, mit euch als Frauen? Und diesen Gegenstand würdet ihr dann als textiles Objekt umsetzen?”, schlug Walter Bruno Brix vor.
“So wie es Meret Oppenheim mit der Felltasse gemacht hat?”, fragte eine Teilnehmerin. Das fanden alle sehr interessant.

Eine Woche später trafen sich dann alle im Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud und gingen mit Fotoapparat, Block und Zeichenstift auf die Suche nach Objekten in Bildern. Immer wieder machen wir die Erfahrung, dass es eine wunderbare Motivation ist, unter bestimmten Fragestellungen Museumssammlungen zu besuchen. Dinge, die man ohne „Suchauftrag“ nie in Bildern wahrnehmen würde, springen einen an: die Lilie in einer Vase auf einem frühen Gemälde des Mittelalters, der Schild mit Teufelsfratze in der Hand eines Dämons, Kronen, Kelche, Spielkarten, geschälte Zitronen, Käfer und vieles mehr. Die Ausbeute der jungen Frauen für ihre persönliche Auswahl war erstaunlich! Für Meike sind es die Flügel der Engel und Dämonen und die Faszination der Dualität von Gut und Böse, die sie anzieht. Vanitasmotive als Anspielungen auf die Vergänglichkeit, wie die vielen Schädel auf den Bildern des Mittelalters, interessierten eine Reihe von Schülerinnen. Aber auch die Idee von Ordnung, die ein Bündel Spargel repräsentiert, wurde als Idee von Vanessa geäußert. In der abschließenden Gesprächsrunde ging es um die Arbeitstechniken, denn die Objekte werden technisch zum Teil eine große Herausforderung sein. Wir sind nun gespannt, was die Schülerinnen mit Petra Backhaus und Walter Brix zur Tagung auf der Bühne präsentieren werden.

(c) Sigrid Otto

Museum textil – Interview mit Karin Rottmann

Karin Rottmann ist beim Museumsdienst verantwortlich für die Schulprogramme und für das Museum kreativ. Ihr museumspädagogischer Ansatz basiert auf erlebnisorientierten Methoden und einem weit gestreuten Crossover der Branchen. So setzt sie gerne theaterpädagogische Ideen auch im Museum um, entwickelt kreative Schreibtechniken und arbeitet mit einem breiten Netzwerk an Künstlern, Tänzern, Schauspielern. Daraus entstehen immer wieder Projekte, die eine neue Perspektive auf die Museumsarbeit nehmen. Nicht zuletzt war es auch ihr Experiment mit textilen Techniken einmal andere Wege der Vermittlungsarbeit zu beschreiten, welches den ausschlaggebenden Impuls für die Tagung geliefert hat. In einem Interview spricht sie über ihre Ideen und die Vernetzung mit der Bundeszentrale für politische Bildung.

Das Foto stammt übrigens von der Kollegin Sigrid Otto und wurde in der Ausstellung eines der Projekte gemacht, die in dem Interview noch eingehender vorgestellt werden. Weiterlesen

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