laufsteg

Mit dem Schnabelschuh auf den Laufsteg

Mit dem Schnabelschuhballett wird am kommenden Dienstag um 9.30 Uhr die Tagung eröffnet werden. Heute haben Schülerinnen und Schüler der Rheinischen Musikschule den notwendigen Input im Wallraf-Richartz-Museum erhalten, um sich in die speziellen Schuhformen des Mittelalters eindenken zu können.

Mit der Museumspädagogin Julia Müller waren sie in der Mittelalter-Abteilung des Museums und nachdem sie sich die Bilder genauer angeschaut hatten, wurde das Thema “Kleidung” im Kölner Mittelalter anschaulich beschrieben. Neben dem Verlesen einer alten Kleiderordnung – die eigentlich im Wesentlichen aus Verboten bestand – zeigte Julia Müller auch verschiedene Stoffe zum Anfassen.

material

Auf diese Weise eingestimmt, ging es dann darum, die Haltungen nachzuempfinden, die man beim Tragen der außergewöhnlichen Schuhformen an den Tag legen sollte. Die Schülerinnen und Schüler probierten aus: wie geht man wohl mit Schuhen, die am Ende ganz extrem nach oben gebogen sind. Oder was für ein Laufen wird das gewesen sein – mit schweren Metallschuhen einer Rüstung. Zuletzt kam das relativ leichte Gehen mit den Kuhmaulschuhen an die Reihe. Das Hineindenken in die Besonderheiten der Kleidung aus vergangenen Jahrhunderten machte den Kindern und Jugendlichen sichtlich Spaß.

gehen

Auch für die “Laufstegkapriolen” am Ende der Tagung wurden bei diesem Museumsbesuch schon eine Menge Anregungen und Impulse eingesammelt. Wir freuen uns schon auf diesen besonderen Rahmen, den uns Rick Kam mit seinen Schützlingen mit den von ihm choreographierten Auftritten bereiten wird.

schleiergeschichten1

Schleiergeschichten

Verhüllen und Enthüllen. Die Impulse, die von den großformatigen Fotoarbeiten der Künstlerin Sarah Westphal ausgehen, akzentuieren die Kunstwerke der Mittelalter-Abteilung des Wallraf-Richartz-Museums auf besondere Art und Weise. Nicht nur die Nahaufnahme von Stoffen und Faltungen hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Auch das subtile Spiel zwischen Abdecken und Sichtbarmachen ist faszinierend. Die auf den Fotos als Stillleben inszenierten Objekte regen die Sinne an.

schleiergeschichten

Karin Rottmann war mit einer Gruppe Frauen des muslimischen Bildungswerkes in der Ausstellung unterwegs. Für die Teilnehmerinnen war es eine spannende Erfahrung, sich mit dem Thema “Schleier” intensiver auseinanderzusetzen. Und so entstanden eine ganze Reihe persönlicher Texte dazu. Das Parallelgedicht “Avenidas”, welches der großartige Dichter Eugen Gomringer verfasst hat, wurde im kreativen Schreibprozess zu einer Blaupause, die jede der Frauen mit ihren eigenen Erfahrungen zum Thema “Verhüllen” anfüllen konnte.

Braut
Braut und Schleier
Schleier
Schleier und Schönheit

Braut
Braut und Schönheit
Braut und Schleier und Schönheit und
ein Bräutigam

in Türkisch:

gelin
gelin ve duvak
duvak
duvak ve güzellik

gelin
gelin ve güzellik
gelin ve duvak ve güzellik ve
bir damat

Auch ein berührendes Elfchen-Gedicht entstand bei dem Besuch der Mittelalter-Abteilung:

Tod
kalt Sarg
unter der Erde
es wird nicht bleiben
Sonne

Zum Abschluss kam das Museumsgraffiti wieder zum Einsatz – hier als interessante Variante zu den bekannten Feedbackmethoden. Ein Wort für die Erfahrungen, die die Teilnehmerinnen während des gemeinsamen Besuchs im Museum gemacht hatten, sollte mittels textiler Schnüre auf den Boden gelegt werden. Da verdichten sich die Gedanken, die beim Betrachten der Bilder angeregt wurden zu einer einzigen pointierten Aussage – in deutsch und in arabisch.

schleier3

Schnabelschuhballett

Das Video zeigt einen mittelalterlichen Schreittanz, der mit dem Choreographen Rick Kam eingeübt wurde. Das Berufskolleg Humboldstraße hat phantasievolle Hörnerhauben gestaltet, Surkots genäht und die Schnabelschuhe entworfen. Das von Karin Rottmann initiierte Projekt wurde von Dennis Hartmann und der Movie Crew Cologne dokumentiert. Das Schnabelschuh-Ballett wird auch den Auftakt zur Tagung bilden. Hier also schon mal ein kleiner Vorgeschmack!


Mit Hörnerhaube und Schnabelschuh – MyVideo

büsteKruseler_frei Kopie

Schönheit im Mittelalter

Modetrends hat es schon immer gegeben. Auch im Mittelalter hatte man ganz genaue Vorstellungen davon, was schön war. Das lässt sich heute noch auf vielen Bildwerken aus dieser Zeit ablesen. Eines der bekanntesten Beispiele sind die sogenannten Ursula-Büsten, die als Reliquien zu einem der Exportschlager des Heiligen Kölns geworden sind. Nicht zuletzt durch die sorgsam geschminkten und ordentlich verschleierten Frauengesichter, die sie zierten.

Das hier vorgestellte Exemplar stammt aus dem Museum Schnütgen. Die Büste wurde 1350 n.Chr. in Köln hergestellt und zeigt ein Frauengesicht mit weißem Teint, kleinen roten Rouge-Bäckchen und einer feinen Haube. Der Kruseler, wie diese Haube genannt wurde, begann damals seinen Siegeszug durch das Spätmittelalter. Diese Kopfbedeckung war den verheirateten Frauen vorbehalten und in den Kleiderordnungen war die Anzahl der Kräuselungen genau festgelegt.

Und auch das Make-up war damals nicht unbekannt! Ein interessanter Artikel listet verschiedene Mittelchen auf, mit denen man einst der Schönheit gezielt nachgeholfen hat. Eine hohe Stirn wurde beispielsweise durch das Verschieben des Haaransatzes erreicht und die Haut wurde nicht selten mit giftigem Bleiweiß behandelt, damit sie möglichst hell erschien. Die Kirche verteufelte jegliche Putzsucht … aber schon damals war der Drang, dem Schönheitsideal nachzueifern, weitaus größer als die Angst vor Strafe!

800px-Schnabelschuh_makffm_6076

Schnabelschuh, Spanien (Toledo?), 15. Jh.; Leder;  Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt am Main, Inv. Nr. 6076, Quelle: Wikipedia

Zur Tagung gibt es einige Beiträge im Rahmenprogramm, die sich ebenfalls mit der Mode des Mittelalters auseinandersetzen. So wird zum Beispiel zum Auftakt das Schnabelschuh-Ballett aufgeführt. Weitere Entdeckungen warten auf Modeinteressenten, wenn es dann im November heißt: Mode trifft Museum!

 

Top