Structures of the World – Finale

Von Walter Bruno Brix

Das Projekt “structure of the world” geht gut voran. Am Mittwoch habe ich die Damen besucht und es herrschte gute Stimmung, alle waren fleißig. Da wurde an mit verschiedenen Techniken und unterschiedlichen Materialien gearbeitet. Ein Puppe, die ein stilisiertes Selbstportrait wird, bekommt ein Mütze.Sie hat echte Haare und einen Pony. Aus dem Metall von Getränkedosen wird ein Stein genäht. Aus gefärbten Filz entsteht ein Bund Spargel. Ein Globus aus Pappe wird mit Blüten, Federn und Schmetterlingen verziert. Aus schwarzem Stoff entsteht eine Schere, aus Schnittmusterbögen ein Schiff. Ein modellierter Schädel wird mit Gaze überzogen. Eine Schädelmaske entsteht aus weißem Filz, aus schwarzem ein eleganter Hut. Auf der Nähmaschnie wird ein Flügel genäht und eine durchswichtige Laterne. Blumenstoff werden zu einem Vogelnest mit Eiern. Blätter, Zweige und Satin bilden eine Schaukel. Aus schwarzem Plastik wird ein Stößel (für einen Mörser) genäht.


Bei der Präsentation wird man sehen können, welche Gemälde aus der Sammlung des Museums Wallraf-Richartz/Foundation Corboud die Inspiration waren. Sehr spannend zu sehen, was auf Gemälden alles zu entdecken ist. Ebenso, wie die Entscheidung, was davon man dann ausführt. Die entstehenden Objekte sind keine eins zu eins Kopien der Dinge auf den Bildern, sie stehen für eine Vorstellung, die man sich macht, wenn man das Gemälde betrachtet.

 

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Totenkopf und Schmetterling

Anhänger mit Amor und Totenkopf, Deutschland oder Frankreich, um 1665-1700 © MAKK, Foto: Martin Klimas

Mode ist auch Ausdruck von Schönheit und dem Bedürfnis danach. Dieser Aspekt spielt vor allem beim Schmuck eine zentrale Rolle. In der Ausstellung “Boys get skulls and girls get butterflies” kann man sich mit der Frage nach Modeerscheinungen durch die Jahrhunderte auseinanderzusetzen. Der außergewöhnliche Ausstellungstitel geht auf ein Zitat des Tattookünstlers Scott Campbell zurück, der über den Einsatz von Motiven in seiner Branche philosophierte. Dieser Genderaspekt lohnt einer weiteren Betrachtung und liefert zusätzliche Impulse für die Diskussion von fashion@society.

Doch zunächst entführt die Ausstellungsarchitektur Besucher in die geheimnisvolle Welt der Schmuckkünstler und man entdeckt nicht nur die Preziosen der hinreißenden Schmucksammlung des Museums für Angewandte Kunst sondern auch die Arbeiten des international renommierten Goldschmieds Georg Hornemann. In insgesamt acht Themenkreisen werden historische Schmuckstücke den faszinierenden Entwürfen Hornemanns gegenübergestellt: “Memento mori” – “Flora und Fauna” – “Ornament und Design” – “Menagerie” – “Form und Gestalt” – “Schau mich an!” – “Magie des Kreises” – “Die Macht des Zeichens”.

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Visierhelmring mit Schädel, Düsseldorf 2008 © Georg Hornemann, Foto: Martin Klimas

Mit Dr. Romana Breuer besuchte dieser Tage eine Gruppe unserer Partnerschule des Berufskollegs Humboldstraße die Ausstellung. Gemeinsam ging man der Frage nach der Objektsprache von Schmuck nach. Die Ausstellung dokumentiert die die Vorliebe für bestimmte Schmuckformen und – motive durch die Jahrhunderte und durch die  thematische Gliederung wurde klar, dass klassische Motive wiederholt und epochenübergreifende Neuinterpretationen erfahren haben. Totenkopfmotive ebenso wie zarte Schmetterlinge. Die Schülerinnen kamen aus dem Staunen nicht heraus und waren überrascht über die vielen Querverbindungen der spektakulären Motive. Mit Skizzenblock und Zeichenstift wurden erste Ideen für eigene Schmuckentwürfe umrissen, die im Unterricht weiter konkretisiert und umgesetzt werden sollen und auf der Tagung in einer Modenschau gezeigt werden sollen.

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Structures of the World – Update

Von Walter B. Brix

Das Projekt des Humbold Berufskollegs schreitet voran.

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Drei Schädel sind im Entstehen, einer aus Filz, einer aus Seidenorganza und einer aus Modeliermasse. Auf den Fotos hier sieht man den aus Filz, der an eine Maske erinnert und als solche getragen werden kann. Eine erstaunliche Verwandlung. Mich erinnert es an die silberne Maske eines bestimmten deutschen Rappers. Allerdings hat der weiße Filz eine ganz andere Anmutung, das Material ist weich und schmiegsam, deutlich man sieht die Nähte.

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Ein Globus wird aus Pappe genäht, der später mit den Ländern der Welt ausgestattet werden soll. Aus welchem Material ist noch die Frage. Im Raum stehen applizierter Stoff, aufgeklebte Gewürze aus den Ländern und andere Ideen. Eine Schaukel aus Ästen und Blättern, nach dem Bild einer Schaukel im Wald. Also hier wird der Wald zur Schaukel. Das Modell eines Hutes, ebenfalls aus Filz, allerdings aus braunem. Hier nimmt die Krempe gerade Form an.

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Auf einem Bild sieht man eine Laterne von oben in einen Raum hängen. Ein Model der Laterne aus Papier gibt es schon. Nun wird aus verschiedenen Stoffen eine größere Laterne genäht.

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Der Schädel aus Modelliermasse ist noch klein, es ist der erste Versuch, der aber schon ganz ordentlich ist. Vieles was entsteht, führt auf einen Weg und zu neuen Erkenntnissen. Die Vorzeichnung ist schon sehr gelungen.
Die Herzen werden von einem Stab hängen und verschiedene Charaktere darstellen. Dazu sind sie aus unterschiedlichen Stoffen gearbeitet und mit Knöpfen, Pailletten, Spitze und Ähnlichem verziert.

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Besonders witzig ist die Schere aus Stoff. Sie ist sehr aufwendig, weil sie in Original-Größe gearbeitet wird, also winzige Naht-Teile enthält und ein sehr genaues Arbeiten erfordert. Für die Griffe gibt es eine erstaunliche Lösung.

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Das Boot soll überzogen und mit einem Segel aus Landkarten ausgestattet werden. Also das Reisen direkt als Teil des Boots.

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Künstlerprojekt mit Walter Bruno Brix

Ein Bericht von Karin Rottmann

Nun starten bald die letzten Projekte, die zur Tagung präsentiert werden sollen. Mitte September trafen sich Petra Backhaus, Kollegin aus unserer Partnerschule Kollegschule Humboldstraße, mit ihrer Ausbildungsklasse für Bekleidungstechnische Assistentinnen und Walter Bruno Brix in seinem Atelier und setzten sich mit einer Reihe seiner Arbeiten auseinander. Der Textilkünstler und Japanspezialist erzählte den Schülerinnen etwas über die unterschiedlichen Traditionen der Herstellung von Kleidung. Das Schneiderhandwerk europäischer Tradition setzt sich dreidimensional mit Kleidung auseinander und die japanische – wie beim Kimono – zweidimensional. Die Schülerinnen waren begeistert von den vielen Projekten, die vor Ort im Atelier aus Koffern, Kisten und Schränken hervorgezaubert wurden: die „Herzen großer Frauen“ –  z.B. das der Madame Curie, die Taschentücher für die Tränen um die Heilige Ursula, die Jacken mit den Wortcollagen zum ‘Kapital’ und vieles mehr.

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“So, und was wollen wir im gemeinsamen Projekt für eines der Intermezzi zwischen den Vorträgen zur Tagung  umsetzen?”, war die Frage, die Walter Bruno Brix vor dem Besuch im Wallraf-Richartz-Museum mit der Klasse diskutierte. Es soll etwas mit dem Fachunterricht „Textiltechnik“ zu tun haben. Denn dort werden Schnittmuster entwickelt und umgesetzt.  „Es würde naheliegen, Kleider aus Bildern nachzuschneidern“, war die erste Idee der Schülerinnen.  “Oh, das könnt ihr doch mit eurer Fachkompetenz ohne mich”, provozierte der Künstler die jungen Frauen.  “Wie wäre es,  Gegenstände aus Bildern zu wählen, die euch interessieren, die etwas mit eurer Gedankenwelt zu tun haben, mit euch als Frauen? Und diesen Gegenstand würdet ihr dann als textiles Objekt umsetzen?”, schlug Walter Bruno Brix vor.
“So wie es Meret Oppenheim mit der Felltasse gemacht hat?”, fragte eine Teilnehmerin. Das fanden alle sehr interessant.

Eine Woche später trafen sich dann alle im Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud und gingen mit Fotoapparat, Block und Zeichenstift auf die Suche nach Objekten in Bildern. Immer wieder machen wir die Erfahrung, dass es eine wunderbare Motivation ist, unter bestimmten Fragestellungen Museumssammlungen zu besuchen. Dinge, die man ohne „Suchauftrag“ nie in Bildern wahrnehmen würde, springen einen an: die Lilie in einer Vase auf einem frühen Gemälde des Mittelalters, der Schild mit Teufelsfratze in der Hand eines Dämons, Kronen, Kelche, Spielkarten, geschälte Zitronen, Käfer und vieles mehr. Die Ausbeute der jungen Frauen für ihre persönliche Auswahl war erstaunlich! Für Meike sind es die Flügel der Engel und Dämonen und die Faszination der Dualität von Gut und Böse, die sie anzieht. Vanitasmotive als Anspielungen auf die Vergänglichkeit, wie die vielen Schädel auf den Bildern des Mittelalters, interessierten eine Reihe von Schülerinnen. Aber auch die Idee von Ordnung, die ein Bündel Spargel repräsentiert, wurde als Idee von Vanessa geäußert. In der abschließenden Gesprächsrunde ging es um die Arbeitstechniken, denn die Objekte werden technisch zum Teil eine große Herausforderung sein. Wir sind nun gespannt, was die Schülerinnen mit Petra Backhaus und Walter Brix zur Tagung auf der Bühne präsentieren werden.

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