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Totenkopf und Schmetterling

Anhänger mit Amor und Totenkopf, Deutschland oder Frankreich, um 1665-1700 © MAKK, Foto: Martin Klimas

Mode ist auch Ausdruck von Schönheit und dem Bedürfnis danach. Dieser Aspekt spielt vor allem beim Schmuck eine zentrale Rolle. In der Ausstellung “Boys get skulls and girls get butterflies” kann man sich mit der Frage nach Modeerscheinungen durch die Jahrhunderte auseinanderzusetzen. Der außergewöhnliche Ausstellungstitel geht auf ein Zitat des Tattookünstlers Scott Campbell zurück, der über den Einsatz von Motiven in seiner Branche philosophierte. Dieser Genderaspekt lohnt einer weiteren Betrachtung und liefert zusätzliche Impulse für die Diskussion von fashion@society.

Doch zunächst entführt die Ausstellungsarchitektur Besucher in die geheimnisvolle Welt der Schmuckkünstler und man entdeckt nicht nur die Preziosen der hinreißenden Schmucksammlung des Museums für Angewandte Kunst sondern auch die Arbeiten des international renommierten Goldschmieds Georg Hornemann. In insgesamt acht Themenkreisen werden historische Schmuckstücke den faszinierenden Entwürfen Hornemanns gegenübergestellt: “Memento mori” – “Flora und Fauna” – “Ornament und Design” – “Menagerie” – “Form und Gestalt” – “Schau mich an!” – “Magie des Kreises” – “Die Macht des Zeichens”.

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Visierhelmring mit Schädel, Düsseldorf 2008 © Georg Hornemann, Foto: Martin Klimas

Mit Dr. Romana Breuer besuchte dieser Tage eine Gruppe unserer Partnerschule des Berufskollegs Humboldstraße die Ausstellung. Gemeinsam ging man der Frage nach der Objektsprache von Schmuck nach. Die Ausstellung dokumentiert die die Vorliebe für bestimmte Schmuckformen und – motive durch die Jahrhunderte und durch die  thematische Gliederung wurde klar, dass klassische Motive wiederholt und epochenübergreifende Neuinterpretationen erfahren haben. Totenkopfmotive ebenso wie zarte Schmetterlinge. Die Schülerinnen kamen aus dem Staunen nicht heraus und waren überrascht über die vielen Querverbindungen der spektakulären Motive. Mit Skizzenblock und Zeichenstift wurden erste Ideen für eigene Schmuckentwürfe umrissen, die im Unterricht weiter konkretisiert und umgesetzt werden sollen und auf der Tagung in einer Modenschau gezeigt werden sollen.

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Samoan_tatau_-_tattooing_circa_1895_-_photo_Thomas_Andrew

Tattoo – ein Modetrend mit Tradition

Körperschmuck als Modeerscheinung ist ein Thema, das auf der Tagung noch in einigen Beiträgen diskutiert werden wird. Wir erleben in den letzten Jahren eine neue Modewelle der Tätowierungen. Bunte Bilder, die oft große Körperpartien zieren, sind immer häufiger zu sehen. Die ästhetischen Ansätze für manche Tattoos entstammen einer langen Tradition und wir wollen heute einmal die Gelegenheit nutzen, an die Ursprünge des Körperschmucks zu erinnern. Unser Kollege Peter Mesenhöller ist Ethnologe und hat zum Thema „Tätowierung“ geforscht. Das Foto, welches unseren Artikel illustriert, wurde von Thomas Andrews ca. 1895 auf Samoa aufgenommen und entstammt der Wikipedia.

Redaktion: Woher kommt eigentlich der Begriff „Tattoo“?

Peter Mesenhöller: Der Begriff „Tattoo“ leitet sich vom polynesischen Wort „Tatau“ – „richtig schlagen“ ab. Damit ist das Schlagen der Muster mit kleinen Holzwerkzeugen in die Haut gemeint. Mitgebracht hat dieses Wort im 18. Jahrhundert der Tahitianer Omai. Er kam mit James Cook und seiner Mannschaft nach London und wurde dort mit seinen Tätowierungen zur Attraktion. Wer aber denkt, dass der Trend der Hautbemalungen erst einmal nur in der Seefahrer-Szene beliebt war, der liegt falsch. Erstaunlich viele Mitglieder des Hochadels waren sehr angetan von den blauen Punkten auf Armen und Händen.

Red.: Das ist erstaunlich. Woher stammt diese frühe Begeisterung für das Tätowieren?

P.M.: Man verband die exotische Hautbemalung damals mit der Vorstellung von Tahiti als irdischem Paradies. Tätowierungen galten als „Schrift des Paradieses“. In der Folgezeit erfasste den gesamten europäischen Hochadel eine Modewelle, in der sich gekrönte Häupter mit Tattoos verzierten. König George V. trug einen Drachen auf dem linken Unterarm, und Zar Nikolaus brachte von einer Japan-Reise bunte Fabelwesen auf der Haut mit. Sogar von Winston Churchill weiß man, dass er einen Anker auf dem Arm tätowiert hatte. Erst im späten 19. Jahrhundert sind Tattoos eher negativ beurteilt worden und in die Welt der Verbrecher gerutscht.

Red.: Wenn wir es heute eher als ein dekoratives Element ansehen, wenn jemand tätowiert ist, so hat doch dieser Körperschmuck im Ursprung eine deutliche Sprache, die auch die soziale Stellung des Tätowierten ausdrücken konnte, oder?

P.M.: Ja, ganz klar. Es ist in manchen Gegenden eine Voraussetzung,, tätowiert zu sein, wenn man zum Beispiel ein Amt im Dorfrat übernehmen will. Ein Chief auf Samoa zum Beispiel muss Tätowierungen vorweisen, wenn er möchte, dass seine Stimme gehört wird. Das zeigt, dass er in der Lage ist,  Schmerzen auszuhalten. Damit verdient er sich Respekt.

Red: Das ist die historische Bedeutung von Tattoos. Wie sieht es heute aus? Hat das Tätowieren da, wo es eigentlich her stammt, noch dieselbe Bedeutung? Oder hat es sich mittlerweile zur reinen Schmuckform gewandelt?

P.M.: Es ist heute tatsächlich eine ausgereifte Kunstform daraus entstanden. Es lässt sich eine Wiederbelebung der alten Werte und ihrer sozialen Funktionen feststellen. Das geht von Samoa aus und hat mittlerweile ganz Polynesien erfasst. Diese Entwicklung gibt den Hautstichen ihre alten Werte und sozialen Funktionen zurück. Das Spannende daran ist, dass die neuen Tattoo-Meister in der Lage sind, die klassischen Zeichen nicht nur zu konservieren, sondern zu hoch komplexen, modernen Mustern weiterzuentwickeln.

Red.: Vielen Dank für den Blick zurück auf die Entstehungsgeschichte der Tätowierungen. Wir sind schon gespannt auf den Expertentalk während der  Tagung, wo wir noch mehr über dieses spannende Thema erfahren werden.

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