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Festtagskleidung – aus einem fernen Land

Von Karin Rottmann

Eine Gruppe junger Frauen mit afrikanischem Migrationshintergrund, die sich über die Caritas-Integrationsagentur gefunden haben, sind gerade dabei, ihren Beitrag zur Tagung vorzubereiten. Sie werden ein Intermezzo als Bühnenprogramm zwischen den Vortragsblöcken zeigen und typische Festtagskleidung aus ihren Herkunftskulturen vorstellen.

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Zur Einstimmung traf sich die Gruppe, die von Rosi Loos betreut wird, mit mir in der Ausstellung „Made in Oceania“, die im Rautenstrauch-Joest-Museum noch bis zum 27.4.2014 zu sehen sein wird. Dort kann man Tapa sehen, ein textiles Material aus Rindenbast, das mit Mustern und Ornamenten bemalt und typisch für den ozeanischen Kulturraum ist. Dort haben die Stoffe ganz unterschiedliche Funktionen im Bereich des Wohnens und der Bekleidung. Ein Beispiel eines Rindenbaststoffes aus Papua (dort nennt man die Rindenbaststoffe maro) hat uns sehr beeindruckt. Neben dem Textil mit sehr schönem Doppelspiralmotiv, das heute dem Museum der Kulturen in Basel gehört, ist ein Foto zu sehen, das Paul Wirz 1926 aufgenommen hat. Man sieht die maro als Schmuck der Grabstätte. Die Trägerin des Gewandes hatte es zur Hochzeit geschenkt bekommen und, wie üblich in dieser Kultur, ihr Leben lang begleitet. „Das ist eine schöne Idee!“ „Das ist dann sehr persönlich!“ und „Das berührt mich!“ äußerten die Teilnehmerinnen.

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Ganz begeistert waren die jungen Frauen von der modernen Tapa-Mode, die in der Ausstellung auch zu sehen ist. Die heute in London lebende Designerin Rosanna Raymond hat samoanische Wurzeln und wurde in Neuseeland geboren. Sie greift in ihrer „RePATCHtration – Customised Levi’s“ westliche Modeelemente auf und kombiniert sie mit einem pazifischen Look. Darin sieht sie einen Ausdruck kultureller Identität, der Tradition und Moderne verbindet. Die Projektgruppe fand diesen Denkansatz sehr interessant und hat sich von Rosanna Raymond anregen lassen. Den Museumsbesuch ließen  wir in einer Werkstatt des Museums mit der Arbeit an Modeskizzen ausklingen.

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In den Wochen bis zur Tagung werden sich die Damen mit der Präsentation ihrer Festtagskleidung beschäftigen. Wir können gespannt sein, mit welchen Kreationen sie die Tagungsgäste überraschen werden.

aus einem fernen Land

Mode aus aller Welt

In einem interessanten Artikel hat Götz Nordbruch Verein Jugendkultur, Medien und politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft e.V. über Islamische Mode in Deutschland geschrieben. Erschienen ist der Text bereits 2011 auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung. Für unsere Tagung eine spannender Hintergrundbericht. Denn in der Sektion “Global und glokal” wird auch die Frage nach der Funktion von Kleidung im Zusammenhang mit der Globalisierung zu stellen sein. Gleich zu kommt Nordbruch auf das Kleidungsstück zu sprechen, das vielleicht die meisten mit muslimischer Mode sofort assoziieren würden. “Kleider machen Leute, sagt man. Und so geht es auch in der öffentlichen Diskussion um den Islam in Deutschland sehr häufig um Äußerlichkeiten – darum zum Beispiel, wie einige Muslime sich kleiden und sich auf diese Weise als Muslime zu erkennen geben. An erster Stelle ist hier wohl das Kopftuch zu nennen.”

Ein weiterer Beitrag in der Sektion wird von Teimaz Shahverdi kommen, der als Kurator in Frankfurt a.M. die Ausstellung “Trading Style” konzipiert hat. Diese ist noch bis zum 27. Oktober im Weltkulturen Museum zu sehen. Für die Ausstellung wurden Vertreter von vier internationalen Modelabels eingeladen, im Weltkulturen Labor einen Dialog mit den historischen Ausstellungsobjekten der Museumssammlung zu erarbeiten. Der Impulsvortrag wird darüber berichten. Dies sind die beteiligten Labels: Buki Akib (NG), A Kind of Guise (DE), CassettePlaya (UK) und P.A.M./Perks and Mini (AU).

Für einen Expertentalk konnten wir auch Melih Kesmen den Gründer des Labels Style Islam gewinnen. Mit zahlreichen Präsentationen wie zum Beispiel der Modenschau “Aus einem fernen Land” wird diese Sektion sicher äußerst spannend gestaltet.

 

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Tattoo – ein Modetrend mit Tradition

Körperschmuck als Modeerscheinung ist ein Thema, das auf der Tagung noch in einigen Beiträgen diskutiert werden wird. Wir erleben in den letzten Jahren eine neue Modewelle der Tätowierungen. Bunte Bilder, die oft große Körperpartien zieren, sind immer häufiger zu sehen. Die ästhetischen Ansätze für manche Tattoos entstammen einer langen Tradition und wir wollen heute einmal die Gelegenheit nutzen, an die Ursprünge des Körperschmucks zu erinnern. Unser Kollege Peter Mesenhöller ist Ethnologe und hat zum Thema „Tätowierung“ geforscht. Das Foto, welches unseren Artikel illustriert, wurde von Thomas Andrews ca. 1895 auf Samoa aufgenommen und entstammt der Wikipedia.

Redaktion: Woher kommt eigentlich der Begriff „Tattoo“?

Peter Mesenhöller: Der Begriff „Tattoo“ leitet sich vom polynesischen Wort „Tatau“ – „richtig schlagen“ ab. Damit ist das Schlagen der Muster mit kleinen Holzwerkzeugen in die Haut gemeint. Mitgebracht hat dieses Wort im 18. Jahrhundert der Tahitianer Omai. Er kam mit James Cook und seiner Mannschaft nach London und wurde dort mit seinen Tätowierungen zur Attraktion. Wer aber denkt, dass der Trend der Hautbemalungen erst einmal nur in der Seefahrer-Szene beliebt war, der liegt falsch. Erstaunlich viele Mitglieder des Hochadels waren sehr angetan von den blauen Punkten auf Armen und Händen.

Red.: Das ist erstaunlich. Woher stammt diese frühe Begeisterung für das Tätowieren?

P.M.: Man verband die exotische Hautbemalung damals mit der Vorstellung von Tahiti als irdischem Paradies. Tätowierungen galten als „Schrift des Paradieses“. In der Folgezeit erfasste den gesamten europäischen Hochadel eine Modewelle, in der sich gekrönte Häupter mit Tattoos verzierten. König George V. trug einen Drachen auf dem linken Unterarm, und Zar Nikolaus brachte von einer Japan-Reise bunte Fabelwesen auf der Haut mit. Sogar von Winston Churchill weiß man, dass er einen Anker auf dem Arm tätowiert hatte. Erst im späten 19. Jahrhundert sind Tattoos eher negativ beurteilt worden und in die Welt der Verbrecher gerutscht.

Red.: Wenn wir es heute eher als ein dekoratives Element ansehen, wenn jemand tätowiert ist, so hat doch dieser Körperschmuck im Ursprung eine deutliche Sprache, die auch die soziale Stellung des Tätowierten ausdrücken konnte, oder?

P.M.: Ja, ganz klar. Es ist in manchen Gegenden eine Voraussetzung,, tätowiert zu sein, wenn man zum Beispiel ein Amt im Dorfrat übernehmen will. Ein Chief auf Samoa zum Beispiel muss Tätowierungen vorweisen, wenn er möchte, dass seine Stimme gehört wird. Das zeigt, dass er in der Lage ist,  Schmerzen auszuhalten. Damit verdient er sich Respekt.

Red: Das ist die historische Bedeutung von Tattoos. Wie sieht es heute aus? Hat das Tätowieren da, wo es eigentlich her stammt, noch dieselbe Bedeutung? Oder hat es sich mittlerweile zur reinen Schmuckform gewandelt?

P.M.: Es ist heute tatsächlich eine ausgereifte Kunstform daraus entstanden. Es lässt sich eine Wiederbelebung der alten Werte und ihrer sozialen Funktionen feststellen. Das geht von Samoa aus und hat mittlerweile ganz Polynesien erfasst. Diese Entwicklung gibt den Hautstichen ihre alten Werte und sozialen Funktionen zurück. Das Spannende daran ist, dass die neuen Tattoo-Meister in der Lage sind, die klassischen Zeichen nicht nur zu konservieren, sondern zu hoch komplexen, modernen Mustern weiterzuentwickeln.

Red.: Vielen Dank für den Blick zurück auf die Entstehungsgeschichte der Tätowierungen. Wir sind schon gespannt auf den Expertentalk während der  Tagung, wo wir noch mehr über dieses spannende Thema erfahren werden.

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