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Klamottenkur von Modeprotest

Die Designerinnen Dorle Schmidt, Lenka Petzold und Annika Cornelissen verfolgen mit der Kampagne Modeprotest die Idee, den Gewohnheitskonsum von Kleidung umzustellen. Dabei setzen die Macherinnen auf Selbstbeteiligung zum Beispiel über Aktionen wie die Klamottenkur zur Fastenzeit. In einem Expertentalk auf der Tagung werden sie von ihrer Vision eines alternativen Bekleidungssystems erzählen und laden die Teilnehmenden ein, einen Wegweiser für eine Minimal-Garderobe mit ihnen zu diskutieren. Zur Vorbereitung auf den Talk haben sie uns bereits ein paar Stichworte übermittelt, die ihren Ansatz in klaren Worten charakterisieren.

IMPULS:
Die Suche nach einer Ausdrucksform für eine materiell reduziertere Modewelt um im krassen Kontrast dem medial dauerpräsenten Konzept des „Fashion-Victims“ zu entgegnen.
 
REAKTION:
Unser Anliegen ist idealistisch und radikal aber auch individuell. Wir verändern indem wir protestierend alltäglich reduzieren und weitere Menschen anstoßen sich zu beteiligen.
 
ZIEL:
Unsere Vision ist ein alternatives Bekleidungskonzept bzw. Mode-System: Kleidung wird ökologisch und fair hergestellt, man kauft nur in dem Maße, wie man es braucht und nutzt. Weniger zu konsumieren ist unser vorrangiges Ziel.

Dorle Schmidt (Projekt-Initiatorin) ist Diplom-Designerin und selbständige Kommunikationsberaterin in Köln. Sie hat lange als Beraterin im Bereich Kreation einer Kommunikationsagentur gearbeitet und sich auf den NonProfit-Sektor spezialisiert. Sie konzipiert und gestaltet Kampagnen, Fundraising-Strategien, Kommunikationsmaterialien und Events für vielfältige Organisationen und Initiativen. Zudem ist sie als Moderation von Workshops und im Aufbau und der Leitung von mehreren Vereinen (mateno.org) und Aktionen engagiert.

Lenka Petzold M.A.(Projekt-Initiatorin, SUSTAINABLE DESIGN CENTER e.V.) ist selbständige Textil- und Integrated-Designerin aus Köln und München. Sie arbeitete als Designerin im Bereich Textil und Konzeption und fokussierte sich auf die nachhaltige Textilgestaltung. Ihre Spezialgebiete sind forschungsorientierte Designbereiche und ökologisch-motivierte Projektarbeit, wo sie sich in diversen öko-fairen Projekten um organisatorische und gestalterische Fragen kümmert.

Annika Cornelissen (sufa: sustainable fashion – Stammtisch Köln), Dipl.-Ing. Modedesignerin aus Köln hat in angestellter Tätigkeit bei einem nachhaltigen Modelabel gearbeitet und sich über diverse Weiterbildungen zum Thema Nachhaltigkeit in der Modeindustrie etabliert.

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Kind, wie siehst du nur aus?

Foto von Diana Weis: Simone Gilges

Wer kennt den Satz aus der Überschrift nicht?! Auch wenn man nicht der Punkszene oder einer sonstigen Subkultur anghörte, so war es doch immer schon der “Job” von jungen Heranwachsenden, sich über das Äußere von den Eltern abzusetzen. Diana Weis, studierte Theaterwissenschaftlerin und Dozentin der Modesoziologie aus Berlin, beschäftigt sich wissenschaftlich mit Mode, Schönheitsnormen, Körperbildern und Körpergestaltung als Zeitgeistphänomene. Sie schreibt für für diverse Zeitungen und Magazine und unterrichtet die Fächer Ästhetik, Modesoziologie und Körperkultur & Zeitgeist an der Universität Hamburg  sowie Modetheorie an der AMD Berlin. In Kooperation mit dem Berliner Archiv der Jugendkulturen gab Diana Weis 2012 den Band “Cool Aussehen. Mode & Jugendkulturen” heraus, in dem sich verschiedenen Autoren mit den Stil-Codes jugendlicher Subkulturen und deren Einfluss auf den modischen Mainstream befassen.

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Foto: Diana Weis

Um schon mal einen Ausblick auf das Thema ihres Impulsvortrages zu geben, hat Diana Weis folgenden Text geschickt:

Jugendkulturen sind ästhetische Phänomene. Sie haben die explosive Wirkungsmacht der Mode intuitiv erfasst und für sich nutzbar gemacht. Die Mode des Mainstreams ist fester Bezugspunkt jugendkultureller Styles, die nicht selten als deren Antithese oder Zerrbild fungieren, wobei intuitiv radikale ästhetische Praktiken wie Dada und Surrealismus zum Einsatz kommen. Auf der anderen Seite zehrt die Mode-Industrie von der innovativen Kraft der Jugendkulturen. Kaum ein Designer zwischen Mailand und New York, dessen Entwürfe ohne ein Zitat „von der Straße“ auskommen. So werden vormals marginalisierte Jugendliche zu Trendsettern stilisiert, von deren Glaubwürdigkeit und bedingungsloser Wildheit man sich gerne etwas ausborgt. Längst sind die globalisierten Produktionswege so effektiv, dass jede noch so obskure Errungenschaft der Jugendmode bereits binnen weniger Wochen als wohlfeile Massenware erhältlich ist. Die Tendenz zur Ausdifferenzierung in verschiedene Style Tribes, welche sich durch die Her- und Zurichtung des Körpers optisch auf den ersten Blick als „Interessengemeinschaft“ zu erkennen geben, fand über die Jugendkulturen Eingang in die Gesamtbevölkerung und lässt sich mittlerweile in fast allen Alters- und Einkommensgruppen beobachten. Die grundsätzliche Verhandelbarkeit von Identität ist in allen Jugendkulturen angelegt und trägt zu deren Anziehungskraft bei.

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Barbara Vinken über Mode

Barbara Vinken ist Professorin für Allgemeine Literaturwissenschaft und Romanische Philologie an der  Ludwig-Maximilians-Universität München und Flaubert-Spezialistin. Mode spielt in ihrer Forschung eine zentrale Rolle und aktuell veröffentlichte sie mit “Angezogen. Das Geheimnis der Mode” eine “kluge wie unterhaltsame Betrachtung über das Phänomen “Mode”. In einer Ankündigung dazu heißt es: “Sobald eine Mode vergessen ist und damit nicht mehr altmodisch wirkt, (…), kann sie zum letzten Schrei wachgeküsst werden. Man hat deswegen von der Tyrannei der Mode gesprochen, die aus dem Blauen heraus ihre Launen diktiert. Doch bei genauerer Betrachtung entpuppt sich Mode als ein Spiel nach Regeln – und als ein differenziertes Zeichensystem im historischen Wandel.”

In einem Zeit-Interview hat Prof. Vinken darüber gesprochen, welche Tragweite Mode im Hinblick auf das Rollenverständnis in unserer Gesellschaft hat. Mode habe ihr auch erlaubt, sich als Frau in einer männerdominierten Welt wie der Wissenschaft zu behaupten. Ihr Impulsvortrag trägt den Titel “Fast Fashion” – wir dürfen gespannt sein auf ihre interessanten Gedanken zum System Mode. Ein kleiner Einblick in das weitgefächerte Forschungsgebiet von Barbara Vinken macht Lust auf mehr. Der Titel ihres Impulsvortrags lautet: Mode: Eine orientalische Kolonie im Herzen der Moderne!!

CV Vinken Aktuell Kurzversion (30.06.2013)

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Impulsvortrag Wiebke Jessen: Jugendmode und Milieu

Heute beginnen wir mit der Vorstellung der Referentinnen und Referenten, die auf unserer Tagung Impulsvorträge halten werden. Wir freuen uns sehr über die Zusage von Wiebke Jessen, die am 26.11. über Jugendmode und Milieu sprechen wird. Die studierte Betriebswirtin ist seit 1995 in der Markforschung tätig und war an der Sinusstudie u18 beteiligt, die vom SINUS-Institut Heidelberg erstellt wurde. Weiterlesen

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