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Lebensstil und Identität

Foto: Helena Wimmer

Eines der Hauptthemen des Journalisten und Buchautors Robert Misik ist die Globalisierung und ihre Auswirkungen auf gesellschaftliche Strukturen. Dabei beobachtet der Publizist durchaus auch mit Witz und Ironie Phänomene wie modische Trends und den gern zitierten Lifestyle seiner Generation. Was wir in seinem Impulsvortrag zur “Globalisierten Mode” erwarten können, hat er in einem kurzen Abstract skizziert.

Wenn wir shoppen, kaufen wir nicht nur Güter ein, wir kaufen uns vor allem einen Lebensstil zusammen. Weniger die sachliche, sondern vor allem die emotionale Seite der Waren wird nachgefragt. Moderne Gesellschaften zerfallen in Lebensstil-Gemeinschaften, deren Mitglieder sich vor allem durch die Güter unterscheiden, die sie konsumieren, durch Stil und Positionsgüter. All das gilt nicht nur für materielle Waren, sondern auch für immaterielle Erlebnisse. Die werbekritische Attitüde, dass dies den Menschen nur eingeredet und suggeriert werde, greift zu kurz. Die Konsumenten wissen über die Suggestion, und gerade deshalb fragen sie sich nach. Je wirksamer die Suggestion, desto besser das Produkt. Das verändert den Kapitalismus. Nicht nur gibt es eine Ökonomisierung der Kultur, sondern eben auch eine Kulturalisierung der Ökonomie. Doch dass wir mit den Waren, die wir konsumieren, unseren Lifestyle, unser Ich, unseren emotionalen Stil konstituieren, ist eine Erkenntnis, die durchaus etwas Erschreckendes an sich hat: Was ist denn noch “Ich” in uns, wenn der Kapitalismus unerbittlich in die engsten Nischen unseres privaten, zwischenmenschlichen und emotionalen Lebens eindringt? Wollen wir wirklich nur die Summe der von uns konsumierten “Identity Goods” sein?

Robert Misik (47) lebt in Wien. Er schreibt für eine Vielzahl deutschsprachiger Zeitungen und Zeitschriften, darunter Der Falter (Wien), Der Standard, die Berliner Zeitung, die tageszeitung, Der Freitag, Die Zeit, die Neue Zürcher Zeitung. Er betreibt den wöchentlichen Videoblog “FS Misik” und bloggt. Er wurde u.a. mit dem Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik ausgezeichnet. Er ist Autor mehrerer Bücher, etwa “Genial dagegen. Kritischen Denken von Marx bis Michael Moore”. Besonders spannend für das Thema der Tagung ist sein 2007 im Aufbau-Verlag veröffentlichtes Werk “Das Kultbuch. Glanz und Elend der Kommerzkultur.”

aus einem fernen Land

Mode aus aller Welt

In einem interessanten Artikel hat Götz Nordbruch Verein Jugendkultur, Medien und politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft e.V. über Islamische Mode in Deutschland geschrieben. Erschienen ist der Text bereits 2011 auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung. Für unsere Tagung eine spannender Hintergrundbericht. Denn in der Sektion “Global und glokal” wird auch die Frage nach der Funktion von Kleidung im Zusammenhang mit der Globalisierung zu stellen sein. Gleich zu kommt Nordbruch auf das Kleidungsstück zu sprechen, das vielleicht die meisten mit muslimischer Mode sofort assoziieren würden. “Kleider machen Leute, sagt man. Und so geht es auch in der öffentlichen Diskussion um den Islam in Deutschland sehr häufig um Äußerlichkeiten – darum zum Beispiel, wie einige Muslime sich kleiden und sich auf diese Weise als Muslime zu erkennen geben. An erster Stelle ist hier wohl das Kopftuch zu nennen.”

Ein weiterer Beitrag in der Sektion wird von Teimaz Shahverdi kommen, der als Kurator in Frankfurt a.M. die Ausstellung “Trading Style” konzipiert hat. Diese ist noch bis zum 27. Oktober im Weltkulturen Museum zu sehen. Für die Ausstellung wurden Vertreter von vier internationalen Modelabels eingeladen, im Weltkulturen Labor einen Dialog mit den historischen Ausstellungsobjekten der Museumssammlung zu erarbeiten. Der Impulsvortrag wird darüber berichten. Dies sind die beteiligten Labels: Buki Akib (NG), A Kind of Guise (DE), CassettePlaya (UK) und P.A.M./Perks and Mini (AU).

Für einen Expertentalk konnten wir auch Melih Kesmen den Gründer des Labels Style Islam gewinnen. Mit zahlreichen Präsentationen wie zum Beispiel der Modenschau “Aus einem fernen Land” wird diese Sektion sicher äußerst spannend gestaltet.

 

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